kubiak

Kubiak
Kubiak
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Die Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Uwe Kubiak sind bis auf den letzten Millimeter genau ausgeklügelt.Was auf den ersten Blick wie ein nervös flirrendes Wimmelbild wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als penibel durchkonstruierte Tuschezeichnung voller streng geometrischer Formen und Figuren. Halbkreise mutieren zu Flügeln.

Kubiak verwandelt scheinbar starres Ausgangsmaterial wie Kreis, Halbkreis oder Quadrat in etwas äußerst Lebendiges. Da dreht er kleine Halbkreis so lange um 15 Grad, bis Flügel übers Papier zu fliegen scheinen oder eine Figur sich schreiend erhebt. Kubiak kombiniert nach ausgeklügelter Methode geometrische Formen auf Hell-Dunkel-Feldern in immer neuen Zusammenhängen, bis am Ende ein optisch üppiges, rhythmisches Ganzes entsteht.
Die Arbeiten von Uwe Kubiak werden der Kunstrichtung konkrete Kunst zugeordnet. Diese Kunst beruht laut den verschiedenen Definitionen auf rein mathematisch geometrischen Grundlagen. Das Kunstwerk wird im Geist vollständig konzipiert und gestaltet, bevor es ausgeführt wird. Es enthält nichts von den formalen Gegebenheiten der Natur, der Sinne und der Gefühle. Das Bild besteht ausschließlich aus Flächen und Farben. Die Realisierung muß von höchstmöglicher technischer Perfektion sein.

Sinngemäß zusammen gefaßt ist das die Definition für konkrete Kunst laut Theo van Doesburg (1924) einem holländischem Künstler, der unter anderen als einer der ersten konkreten Künstler gilt.

Heute fasst man das weiter, indem man sagt, die Prozeduren, Methoden usw. die zu einem Werk führen, sind qualitativ und quantitativ logisch und reproduzierbar. Darüber hinaus gibt es noch weitere Definitionen von einzelnen Künstlern und Kunsthistorikern. Ein Merkmal von Kunst ist es, daß sie von Individuen produziert wird, die dann rückblickend strukturiert wird.

Am Anfang war diese Definition auch ausreichend für Uwe Kubiaks Arbeit, das heißt im Kopf bestand eine Bildidee, die so zu Papier gebracht werden sollte. Das Ergebnis waren geometrische Zeichnungen, schwarze Tusche auf Papier. Als Hilfsmittel wurden alle Instrumente eingesetzt, die beim technischen Zeichnen damals (um 1980) benutzt wurden. Technische Zeichentische, Zirkel, Lineale, Tusche-Rapidographen, Feinminenbleistifte, usw.

Ohne sich dessen am Anfang bewußt zu sein zogen die Methoden der Konstruktion und Realisierung der Bilder zunehmend die Aufmerksamkeit Kubiaks auf sich. Es bestand immer weniger eine Vorstellung davon, wie ein Bild werden sollte, sondern immer mehr eine Neugier darauf, wie ein Bild werden könnte, wenn man diese oder jene Methode anwendet, oder wie es werden könnte, wenn man diese oder jene Methode so und so modifizieren würde, oder wenn man diesen oder jenen Parameter verändern würde.

Die Methoden wurden systematisiert und soweit weiterentwickelt, daß es nur noch einzelne Elemente gab, die nach vorher festgelegten Regeln auf einer Fläche verteilt wurden, und dann zu einem Bild wurden. Der gesamte Entstehungsprozeß einer Arbeit ist vollkommen durch Regeln folgenden Methoden abgedeckt, so daß an keiner Stelle Zufall oder Willkür eine Rolle spielt.

Diese einzelnen Elemente waren und sind ausschließlich gleichseitige Dreiecke, gleichschenkelige rechtwinkelige Dreiecke, Quadrate, Kreise, Halbkreise, gerade Linien, Kreisteillinien. Farbe Schwarz. Innerhalb einer Arbeit kommt immer nur ein Elementtyp zum Einsatz.

Die Methoden, nach denen sich ein Bild aufbaut, ergeben sich daraus, welche Elemente verwendet werden, denn es kommen nur Methoden in Betracht, die auf diese Elemente anwendbar sind. Genauso ergeben sich die Regeln aus den Methoden und den Elementen. Daraus folgt, daß durch die Methoden und Regeln die Anzahl, die Position, die Orientierung, die Grösse der Elemente und Größe und Umfang der gesamten Arbeit festgelegt werden. Die zu Grunde liegenden Regeln, betreffen die Kombinationen der Elementteile, der Elemente, gesamter Sets von Elementen und die Gesamtheit der möglichen Varianten.

Innerhalb einer Arbeit werden kombinatorisch erzeugte Abfolgen von Elementen dargestellt, diese sind immer definitorisch vollständig und ohne Wiederholungen. Die Anzahl der Varianten ergibt sich z.B. dadurch, dass der Startpunkt einer kombinatorischen Reihung innerhalb eines Wertebereiches alle Werte mit einer festgelegten Schrittweite durchläuft. Die Unterschiedlichkeit der Ergebnisse kann einerseits schon bei kleinen Wertänderungen sehr stark ausfallen, aber auch umgekehrt bei sehr großen Wertänderungen sehr gering ausfallen.

Rein logisch sind alle Varianten gleichwertig, gleichwahrscheinlich und deren Anzahl ist nicht beliebig. Bei der Anzahl der Varianten kann es einen Spielraum geben, wenn die Schrittweite variabel gewählt werden kann. Die Schrittweite wird so gewählt, daß möglichst alle Erscheinungsformen vorstellbar sind.

Als die Arbeiten noch per Hand gezeichnet wurden, war die Realisierung von Varianten immer nur sehr eingeschränkt möglich, weil die Herstellung einer Zeichnung durchaus Monate dauern konnte. Bis 2000 sind eigentlich immer nur einzelne Arbeiten ohne Varianten, einige mit wenigen Varianten entstanden.

Durch den Einsatz von Grafikprogrammen ist Kubiak heute in der Lage annähernd die gesamte Ergebnisbandbreite einer bestimmten Methodenanwendung zu realisieren. Da es aus der inneren Logik heraus keine logische Begründung gibt, eine der Varianten einer anderen vorzuziehen, ist es zwingend alle Varianten darzustellen. Die Programme generieren keine Arbeiten, denn nach wie vor muß alles per Hand erzeugt werden, da der Zeichenstift lediglich durch die Maus ersetzt wird. Die Arbeiten, die am PC entstehen, schöpfen qualitativ lediglich die Möglichkeiten aus, die technisch auch per Handzeichnung realisierbar wären.

Ursprünglich wurde bei den Tuschezeichnungen nur die Farbe Schwarz verwendet. Bei der Arbeit am Pc wurden Farben von Anfang an verwendet, um während des Entstehungsprozesses Strukturen, Ebenen, Gruppierungen und andere Strukturierungen zu visualisieren. Dadurch wurde eine höhere Komplexität bei der Erstellung möglich. Ab etwa 2009 wurden diese Farben gezielt in der Endfassung einiger Werke belassen und gleichzeitig wurde die Farbe dann auch als ein weiterer Parameter für kombinatorische Zwecke verwendet. Die Farbe dient dazu, um Strukturierung sichtbarer zu machen. Gleichzeitig erscheinen durch die Farbe Unterscheidungsmerkmale, nach denen weitere Strukturierungen vorgenommen werden können.

Aus diesem allen bis hier folgt, daß zwangsläufig jede Arbeit ein Unikat aus einer Reihe von Unikaten ist, die untereinander nahe oder weiter entfernte Varianten voneinander sind. Alle stellen für sich gleichwertig das Gesamtprinzip in einer jeweilig einzigartigen individuellen Erscheinungsform dar.
1977 - 1984
Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei
Prof. Reusch und Prof. Megert

1984
Meisterschüler bei Christian Megert

1986 - 2014
Einzelausstellungen

1986 Galerie Teufel, Köln
1986 Galerie Schöller, Düsseldorf
1986 Dawo, Düsseldorf
1996 Galerie Teufel Holze, Dresden
2001 Künstlerhaus Hooksiel
2007 Roland Berger, Frankfurt
2009 Galerie LaLigne, Zürich
2014 Kunstmuseum, Gelsenkirchen

1980 - 2009
Gruppenausstellungen (Auswahl)

1980 Kunstmuseum, Bern
1982 Aspex Gallery, Portsmouth
1986 Kunstmuseum Düsserldorf
1987 Wilhelm-Hack-Museum, “Mathematik in der Kunst der letzten 30 Jahre“, Ludwigshafen
1987 Galerie Schöller, Düsseldorf
1987 Galerie Muda 2, Hamburg
1994 Internationaler Mathematikerkongress, Duisburg
1995 Galerie Edition Hoffmann, Friedberg
1997 Galerie Teufel Holze, Dresden
2008 Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, "Gegenstandslos", Bonn
2009 Position 09 Das Seewerk, Moers

1986 - 2014
Öffentliche und private Sammlungen
Sammlung Holze, Von der Heydt Museum, Wuppertal
Sammlung Ruppert, Museum im Kulturspeicher, Würzburg
Sammlung Teufel-Habbel, Kunstmuseum Stuttgart
Sammlung Hubertus Schöller, Leopold Hoesch Museum, Düren

1980 - 1999
Teilnahme an Kunstmessen
Art Basel Galerie Teufel
Art Cologne Galerie Teufel, Galerie Schöller
Art Frankfurt Galerie Teufel
Art-Berlin Galerie Teufel Holze
Internationale Messe für Gegenwartskunst, Zürich, Galerie La Ligne (2008)

1989 Gedankenaustausch mit Niklas Luhmann.
Auf seine Initiative hin von 1989-1994 Umschlaggestaltung der Neuauflage seiner Buchreihe "SOZIOLOGISCHE AUFKLÄRUNG".

1999 Beitrag in dem Gedenkband von Theodor M. Bardmann und Dirk Baecker anlässlich seines Todes 1998.


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